
Ein legales Open-Air zu organisieren, ist kein Kampf gegen die Bürokratie, sondern ein strategisches Spiel mit klaren Regeln.
- Der Schlüssel liegt nicht darin, Vorschriften zu umgehen, sondern sie proaktiv zu verstehen und als Werkzeuge für ein sicheres und erfolgreiches Event zu nutzen.
- Präzise Kalkulationen für Lärm, Strom und sanitäre Anlagen sind keine Schikane, sondern die Grundlage, die eine Eskalation mit Behörden und Anwohnern von vornherein verhindert.
Recommandation: Betrachten Sie die offizielle Anmeldung nicht als Hürde, sondern als ersten Schritt zur Professionalisierung, der Zugang zu Fördergeldern und besseren Locations eröffnet.
Jeder kennt dieses Gefühl: die pulsierenden Bässe unter freiem Himmel, die kollektive Energie einer tanzenden Menge und die Freiheit, die nur ein Rave an einem unkonventionellen Ort bieten kann. Doch irgendwann kommt für jedes Kollektiv der Punkt, an dem der ständige Stress mit Anwohnern, Ordnungsamt und der eigenen Ungewissheit überwiegt. Der Wunsch wächst, den nächsten Schritt zu wagen: weg von der Illegalität, hin zu einem offiziellen, angemeldeten Event. Doch genau hier beginnt für viele die gefühlte Kapitulation vor dem deutschen „Amtsschimmel“.
Die gängigen Ratschläge sind oft wenig hilfreich. „Rede mit den Behörden“ oder „sei einfach leise“ klingen wie Phrasen aus einer anderen Welt. Sie ignorieren die Realität, dass die Angst vor Paragrafen, unüberschaubaren Kosten und dem Verlust der authentischen „Rave-Kultur“ riesig ist. Man fürchtet, die Seele des Events an Formulare und Vorschriften zu verkaufen. Doch was, wenn der wahre Schlüssel nicht im Kampf gegen das System liegt, sondern darin, seine Regeln zu lernen und für sich zu nutzen? Was, wenn Bürokratie nicht das Ende der Kreativität bedeutet, sondern der Anfang von etwas Größerem, Sichererem und Nachhaltigerem ist?
Dieser Guide ist die Übersetzung von Amtssprache in die Sprache der Szene. Wir betrachten die Organisation eines legalen Open-Airs nicht als Hürdenlauf, sondern als strategisches Projekt. Wir zeigen, wie man mit pragmatischer Planung, Insiderwissen und der richtigen Kommunikation den Traum vom offiziellen Rave wahr macht, ohne die eigene Identität aufzugeben. Von der Dezibel-Frage bis zur Toiletten-Kalkulation – hier findet ihr die amtlichen Antworten für die Praxis.
In diesem Artikel führen wir Sie systematisch durch die wesentlichen Planungsphasen, die über den Erfolg Ihres legalen Open-Airs entscheiden. Der folgende Sommaire gibt Ihnen einen Überblick über die Themen, die wir detailliert behandeln, um Sie bestmöglich vorzubereiten.
Sommaire: Der ultimative Leitfaden zur Genehmigung Ihres Outdoor-Events
- Ab wie viel Dezibel kommt das Ordnungsamt wirklich vorbei?
- Pfandsystem oder Müllpfand: Was verhindert die Vermüllung der Grünfläche?
- Generator oder Festanschluss: Wie berechnet man den Energiebedarf für PA und Gastro?
- Der Fehler, keine Überdachung für die Technik einzuplanen
- Dixie oder Wagen: Wie viele Toiletten braucht man pro 500 Gäste wirklich?
- Bunker oder Wald: Welche Location passt zu welchem Sound?
- Welche Töpfe stehen für Schallschutzmaßnahmen in deutschen Clubs zur Verfügung?
- Wie bereitet man sich physisch und mental auf einen Festival-Sommer mit 5 Wochenenden vor?
Ab wie viel Dezibel kommt das Ordnungsamt wirklich vorbei?
Die Angst vor dem Einschreiten des Ordnungsamtes wegen Lärms ist die Ur-Angst jedes Veranstalters. Die Antwort ist jedoch kein Mysterium, sondern klar geregelt. Entscheidend ist die „TA Lärm“ (Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm). Sie ist das Regelwerk, an dem sich Behörden orientieren. Für seltene Ereignisse wie Open-Airs gelten oft erhöhte Toleranzgrenzen, aber als Faustregel ist es entscheidend, proaktiv zu agieren. Der entscheidende Punkt ist: Es geht weniger um einen einzelnen, absoluten Dezibel-Wert, sondern um die Wirkung auf die Nachbarschaft und die Einhaltung der kommunizierten Spielregeln.
Die Grenzwerte sind kontextabhängig. In einem reinen Wohngebiet gelten andere Regeln als in einem Misch- oder Industriegebiet. Für Veranstaltungen im Freien liegen die Immissionsrichtwerte außerhalb von Gebäuden oft bei 65 dB(A) tagsüber in der Ruhezeit, können nachts aber drastisch sinken. Anstatt das Maximum auszureizen, ist eine Strategie der proaktiven Deeskalation der Schlüssel. Dazu gehört, Anwohner im Vorfeld zu informieren, klare Endzeiten zu kommunizieren und einen direkten Ansprechpartner („Lärm-Beauftragten“) für die Nacht zu benennen. Das Ordnungsamt oder die Polizei werden meist erst dann aktiv, wenn Anwohner sich wiederholt beschweren und kein Verantwortlicher erreichbar ist.
Die rechtliche Toleranz hängt auch stark vom Anlass ab. Wie der Bundesgerichtshof in einem Urteil von 2003 feststellte, kann der Nachbarschaft mehr zugemutet werden, wenn das Event eine hohe Bedeutung für die Gemeinde hat. Dies unterstreicht die Wichtigkeit, die Veranstaltung als kulturellen Beitrag und nicht als Störfaktor zu positionieren.
Je gewichtiger der Anlass für die Gemeinde oder Stadt ist, desto eher ist der Nachbarschaft zuzumuten, an wenigen Tagen im Jahr Ruhestörungen hinzunehmen.
– Bundesgerichtshof, BGH-Urteil 2003
Pfandsystem oder Müllpfand: Was verhindert die Vermüllung der Grünfläche?
Ein vermülltes Gelände nach einem Open-Air ist nicht nur ein ästhetisches Desaster, sondern auch ein handfester Grund für Behörden, zukünftige Genehmigungen zu verweigern. Die Frage ist also nicht ob, sondern wie man das Müllproblem in den Griff bekommt. Während ein einfaches Pfandsystem für Becher ein guter Anfang ist, hat sich bei größeren Freiluftveranstaltungen das Konzept des Müllpfands als deutlich effektiver erwiesen. Hierbei hinterlegt jeder Gast bei Ankunft einen Betrag, den er nur zurückerhält, wenn er einen gefüllten Müllsack abgibt.
Dieses System verändert die Psychologie fundamental: Müll wird vom Problem zur Währung. Anstatt Abfall achtlos fallen zu lassen, werden die Gäste dazu motiviert, nicht nur ihren eigenen, sondern auch den Müll anderer aufzusammeln, um ihr Pfand zurückzubekommen. Dies führt zu einer signifikanten Reduzierung des Reinigungsaufwands und schont die Veranstaltungsfläche, was besonders in Naturschutzgebieten von entscheidender Bedeutung ist.
Fallbeispiel: Fusion Festival & Co.
Deutsche Festivals wie das Fusion Festival haben als Vorreiter bewiesen, wie wirksam Müllpfandsysteme sind. Besucher zahlen beim Einlass ein Müllpfand, das sie am Ende gegen einen vollen Müllsack und einen „Müll-Chip“ zurücktauschen können. Diese Praxis hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die riesigen Areale nach dem Festival nicht in Müll versinken und hat sich als Standard für viele umweltbewusste Veranstaltungen in Deutschland etabliert.
Die moderne Umsetzung kann sogar noch weiter gehen. Durch die Integration des Müllpfands in digitale Ticketsysteme oder RFID-Armbänder lässt sich der Prozess weiter optimieren. Eine bargeldlose Abwicklung und die Möglichkeit einer digitalen Rückerstattung über eine Festival-App können die Rückgabequote weiter erhöhen und den logistischen Aufwand für die Organisatoren minimieren. Der entscheidende Punkt ist, das System einfach, transparent und für jeden Gast verständlich zu gestalten.
Generator oder Festanschluss: Wie berechnet man den Energiebedarf für PA und Gastro?
Die Stromversorgung ist das Herzstück jeder Veranstaltung, und ein Ausfall kann das sofortige Ende bedeuten. Die Wahl zwischen einem mobilen Generator und einem teureren Festanschluss hängt von der Location und dem berechneten Bedarf ab. Ein häufiger Fehler von aufstrebenden Kollektiven ist die massive Unterschätzung des Energiehungers von professioneller Veranstaltungstechnik und Gastronomie. Ein „normaler“ Hausanschluss reicht selten aus. Der Schlüssel liegt in einem präzisen Ressourcen-Kalkül, also der Addition aller Leistungsaufnahmen.

Jedes technische Gerät hat eine Leistungsaufnahme, die in Watt (W) oder Voltampere (VA) angegeben ist. Addieren Sie den Bedarf aller Komponenten: PA-Anlage (Subwoofer, Tops, Monitoring), Lichttechnik (Traversen, Scheinwerfer), DJ-Equipment und nicht zu vergessen die Gastronomie (Kühlschränke, Fritteusen, Kaffeemaschinen). Planen Sie immer einen Puffer von mindestens 20-30% ein, um Spannungsspitzen beim Einschalten von Geräten abzufangen. Ein zu klein dimensionierter Generator wird in die Knie gehen und im schlimmsten Fall teures Equipment beschädigen. Die professionelle Verteilung des Stroms über geprüfte Verteilerkästen ist dabei nicht nur eine Frage der Funktion, sondern auch der Sicherheit und Haftung.
Die folgende Tabelle zeigt eine beispielhafte Lastberechnung. Sie verdeutlicht, wie schnell sich der Bedarf summiert und warum eine genaue Auflistung aller Verbraucher unerlässlich ist. Diese Berechnung ist die Grundlage für die Gespräche mit dem Stromversorger oder dem Vermieter des Generators, wie eine detaillierte Analyse für Festival-Setups zeigt.
| Equipment | Leistungsaufnahme | Anzahl | Gesamt kVA |
|---|---|---|---|
| Bassrutschen (Subwoofer) | 2,5 kVA | 2 | 5 kVA |
| Tops (Hauptlautsprecher) | 1,5 kVA | 2 | 3 kVA |
| DJ-Monitoring | 0,5 kVA | 1 | 0,5 kVA |
| Licht-Traverse | 3 kVA | 1 | 3 kVA |
| Kühlschränke Gastro | 0,8 kVA | 2 | 1,6 kVA |
| Fritteuse | 3,5 kVA | 1 | 3,5 kVA |
| Gesamtbedarf | 16,6 kVA | ||
Der Fehler, keine Überdachung für die Technik einzuplanen
Ein plötzlicher Sommerregen kann mehr als nur die Stimmung trüben – er kann das Ende der Veranstaltung und den finanziellen Ruin bedeuten. Wasser und Elektronik sind eine katastrophale Kombination. Der Kardinalfehler vieler Neulinge im Veranstaltungsgeschäft ist es, das DJ-Pult und die empfindliche PA-Technik ungeschützt unter freiem Himmel aufzubauen. Eine adäquate Überdachung für die Technik ist keine Option, sondern eine zwingende Notwendigkeit und eine der wichtigsten Haftungsfallen.

Die Art der Überdachung muss dabei dem Umfang der Veranstaltung entsprechen. Für ein kleines Setup mag ein stabiles „Easy-Up“-Zelt ausreichen, doch Vorsicht: Diese sind oft nicht für Windgeschwindigkeiten über 60 km/h ausgelegt. Sobald man eine richtige Bühne aufbaut, betritt man den Bereich der sogenannten „Fliegenden Bauten“. Dies ist ein entscheidender Begriff aus dem deutschen Baurecht. Solche Konstruktionen sind genehmigungspflichtig und erfordern oft einen Standsicherheitsnachweis von einem Statiker, insbesondere wenn sie eine gewisse Größe überschreiten oder für Publikum zugänglich sind.
Professionelle Lösungen umfassen mobile Bühnensysteme mit integriertem Dach, die über ein Prüfbuch verfügen, oder komplexe Traversenkonstruktionen. Unabhängig von der gewählten Lösung müssen alle elektronischen Geräte, von Mischpulten bis zu Stromverteilern, zuverlässig vor Nässe geschützt sein. Das gilt nicht nur für Regen von oben, sondern auch für Wasseransammlungen am Boden. Die Investition in wasserdichte Planen und Kabelbrücken ist im Vergleich zum potenziellen Schaden durch einen Kurzschluss minimal.
Open-Air-Bühnen müssen wie andere temporäre Fliegende Bauten ab einer bestimmten Größe genehmigt werden.
– Wikipedia, Freiluftkonzert – Rechtliche Anforderungen
Dixie oder Wagen: Wie viele Toiletten braucht man pro 500 Gäste wirklich?
Die Toilettenfrage ist oft unangenehm, aber absolut entscheidend für das Wohlbefinden der Gäste und die Einhaltung behördlicher Auflagen. Wildpinkler sind nicht nur ein Ärgernis, sondern können zu empfindlichen Strafen und zur Verweigerung zukünftiger Genehmigungen führen. Die Frage „Wie viele?“ ist dabei keine Schätzung, sondern basiert auf einer klaren rechtlichen Grundlage: der Versammlungsstättenverordnung (VStättVO) des jeweiligen Bundeslandes. Diese Verordnung ist die Bibel für Veranstalter.
Als allgemeine Richtlinie gilt eine Quote, die sich an der maximal erwarteten Besucherzahl und der Dauer der Veranstaltung orientiert. Ein oft zitierter Richtwert für Veranstaltungen, die länger als sechs Stunden dauern, ist 1 Toilette pro 75 Personen, wobei hier zwischen Damen und Herren getrennt werden muss. Für 500 Gäste bedeutet das also mindestens 6-7 Toilettenkabinen, plus Urinale für die Herren, um die Schlangen vor den Kabinen zu entzerren. Wichtig ist auch die gesetzliche Verpflichtung, barrierefreie Toiletten vorzuhalten – meist mindestens eine pro zehn reguläre Toiletten.
Die Wahl zwischen mobilen Dixie-Klos und größeren Toilettenwagen ist eine Kosten- und Komfortfrage. Während Dixies flexibler auf dem Gelände verteilt werden können, bieten Toilettenwagen mehr Komfort (Licht, fließendes Wasser, Spiegel) und werden von den Gästen oft besser angenommen. Unabhängig von der Wahl ist ein Reinigungsplan unerlässlich. Bei mehrtägigen Festivals müssen die sanitären Anlagen mindestens zweimal täglich gereinigt und geleert werden. Eine positive Entwicklung ist die zunehmende Akzeptanz von umweltfreundlichen Komposttoiletten, wie sie von Anbietern wie ‚Goldeimer‘ angeboten werden. Diese sind oft genehmigungsfähig und hinterlassen bei Umweltämtern einen positiven Eindruck.
Bunker oder Wald: Welche Location passt zu welchem Sound?
Die Location ist die Seele eines jeden Open-Airs. Sie bestimmt nicht nur die Atmosphäre, sondern auch den Sound und vor allem den Genehmigungsaufwand. Ein harter Techno-Beat funktioniert in einem alten Betonbunker anders als auf einer Waldlichtung. Die Wahl des Ortes ist somit eine strategische Entscheidung, die weit über die reine Ästhetik hinausgeht. Jede Location-Art hat ihre eigenen zuständigen Behörden und spezifischen Auflagen, die den Charakter und die Machbarkeit des Events direkt beeinflussen.
Ein Open-Air im Wald klingt romantisch, erfordert aber die Zustimmung von Forstamt und Naturschutzbehörde. Hier spielen Themen wie Brut- und Setzzeiten von Tieren, die Vermeidung von Bodenverdichtung durch Fahrzeuge und die Brandgefahr eine entscheidende Rolle. Eine Industriebrache hingegen bietet oft eine robustere Kulisse und höhere Lärmtoleranz, wirft aber Fragen zur Standsicherheit von Ruinen und möglichen Altlasten im Boden auf, was das Bauordnungsamt auf den Plan ruft. Ein Rave an einem Baggersee wiederum involviert das Wasserwirtschaftsamt mit strengen Auflagen zum Gewässerschutz.
Fallbeispiel: Rave am See in Brandenburg
Ein Kollektiv organisierte über mehrere Jahre ein erfolgreiches Festival an einem See in Brandenburg. Der Prozess war typisch: Anfrage beim Pächter, Abstimmung mit dem Landkreis, Erfüllung von Auflagen zum Lärmschutz und zur Wasserreinhaltung. Die Erfahrung zeigte jedoch, dass die Behörden mit jedem Jahr und steigender Bekanntheit restriktiver wurden. Was im ersten Jahr noch durchging, erforderte im fünften Jahr ein detailliertes Sicherheitskonzept mit Rettungswegen und ein professionelles Lärmgutachten. Dies illustriert, dass eine einmalige Genehmigung keine Garantie für die Zukunft ist und Professionalisierung ein fortlaufender Prozess sein muss.
Die folgende Übersicht zeigt, welche Hürden je nach Location-Typ typischerweise zu erwarten sind und hilft bei der strategischen Vorauswahl. Die Daten basieren auf einer Analyse der Genehmigungsverfahren in Deutschland.
| Location-Typ | Zuständige Behörden | Besondere Auflagen | Lärmrichtwerte |
|---|---|---|---|
| Wald | Forstamt, Naturschutzbehörde | Brut- und Setzzeiten beachten, Bodenverdichtung vermeiden | 55 dB(A) nachts |
| Baggersee | Wasserwirtschaftsamt | Gewässerschutz, Uferschonung | 60 dB(A) nachts |
| Industriebrache | Eigentümer, Bauordnungsamt | Altlastensanierung, Standsicherheit | 70 dB(A) tags |
| Bunker | Denkmalschutz, Brandschutz | Fluchtwege, Belüftung | Innenraum-Regelung |
Welche Töpfe stehen für Schallschutzmaßnahmen in deutschen Clubs zur Verfügung?
Der Schritt in die Legalität ist oft mit Kosten verbunden – für Gutachten, bessere Technik oder eben Schallschutzmaßnahmen. Was viele Kollektive jedoch nicht wissen: Dieser Schritt öffnet auch Türen zu zahlreichen Fördertöpfen. Anstatt alle Kosten aus den Ticketverkäufen zu decken, können gezielte Anträge bei Stiftungen und Kulturförderprogrammen die finanzielle Last erheblich erleichtern. Die Legalisierung ist somit nicht nur eine Ausgabe, sondern eine Investition, die sich durch den Zugang zu neuem Kapital auszahlen kann.
Die Förderlandschaft in Deutschland ist vielfältig, aber auch unübersichtlich. Es gibt Töpfe auf kommunaler, Landes- und Bundesebene. Gerade für temporäre Kulturprojekte im Freien gibt es oft spezielle Programme. Wichtige Anlaufstellen sind die kommunalen Kulturämter, die oft eine Direktförderung für lokale Projekte anbieten. Auf Bundesebene hat die Initiative Musik mit Programmen wie „Neustart Kultur“ in den letzten Jahren eine zentrale Rolle gespielt, um die Club- und Festivalkultur zu unterstützen. Es lohnt sich, deren Webseiten regelmäßig zu prüfen.
Darüber hinaus gibt es themenspezifische Förderungen. Plant man ein inklusives Festival, bei dem Menschen mit Behinderung gleichberechtigt teilhaben, wird die „Aktion Mensch“ zu einem relevanten Ansprechpartner. Landesmusikräte fördern oft gezielt den Auftritt von Nachwuchs-Acts. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, das eigene Projekt nicht nur als Party, sondern als kulturellen Beitrag zu framen, der einen Mehrwert für die Region, eine bestimmte Zielgruppe oder die musikalische Vielfalt schafft. Ein gut geschriebener Antrag, der die kulturelle und soziale Bedeutung des Events hervorhebt, ist oft entscheidender als die reine Wirtschaftlichkeit.
Das Handbuch schafft den Spagat, sowohl für Festivalveranstalter als auch für Brandenburger Behördenmitarbeiter ein Ratgeber zu sein. Ziel ist es, das Know-how zu bestimmten Fachthemen und Prozessabläufen zu erhöhen.
– ImPuls Brandenburg, How to Festival Handbuch
Das Wichtigste in Kürze
- Proaktive Kommunikation mit Anwohnern und Behörden ist wirksamer als jeder Schallschutz.
- Präzise Kalkulationen (Strom, Toiletten, Müll) sind keine Schikane, sondern das Fundament, das teure Pannen und behördlichen Ärger verhindert.
- Der legale Status ist kein „Sell-out“, sondern der Schlüssel zu professionelleren Locations, Fördergeldern und nachhaltigem Wachstum Ihres Kollektivs.
Wie bereitet man sich physisch und mental auf einen Festival-Sommer mit 5 Wochenenden vor?
Die Organisation eines einzelnen Open-Airs ist ein Sprint. Einen ganzen Sommer mit mehreren Wochenenden zu überstehen, ist ein Marathon. Viele ambitionierte Kollektive zerbrechen nicht an den Behörden, sondern an interner Überlastung und Burnout. Die physische und mentale Vorbereitung des Kernteams ist daher genauso wichtig wie das Sicherheitskonzept. Der Übergang vom Hobby zum semi-professionellen Veranstalter erfordert eine neue Struktur der Arbeit und Verantwortung.
Ein entscheidender Faktor ist die Größe und Organisation des Teams. Solange die Organisation auf den Schultern von wenigen „Machern“ lastet, ist Erschöpfung vorprogrammiert. Ein Fallbeispiel aus der Praxis zeigt: Ein Stammteam von 20-25 Personen kann eine Veranstaltung stemmen, aber erst bei einer Teamgröße von 40 oder mehr Personen können sich die Einzelnen wirklich abwechseln, Pausen machen und das Festival auch selbst genießen. Klare Zuständigkeitsbereiche (z.B. Einlass, Bar, Technik, Awareness-Team) und Schichtpläne sind unerlässlich. Jeder muss wissen, wer sein Ansprechpartner ist und wann er abgelöst wird.
Mental bedeutet die Vorbereitung vor allem, auf das Unerwartete vorbereitet zu sein. Ein detailliertes Krisenhandbuch ist hierfür das beste Werkzeug. Es geht darum, im Vorfeld durchzuspielen, was im schlimmsten Fall passieren könnte: Unwetter, technischer Totalausfall, medizinischer Notfall. Wer sind die Notfallkontakte? Was ist der Evakuierungsplan? Gibt es ein Backup für den Strom? Ein Veranstalter muss sich immer bewusst sein, dass eine erteilte Genehmigung keine Entbindung von der eigenen Verantwortung ist. Man muss stets prüfen, ob die ergriffenen Maßnahmen ausreichen. Diese Vorbereitung gibt dem Team die mentale Sicherheit, auch in Stresssituationen einen kühlen Kopf zu bewahren.
Ihr Notfall-Playbook: Was tun, wenn’s brennt?
- Notfallkontakte definieren: Erstellen Sie eine laminierte Liste mit den direkten Durchwahlen von Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt und dem verantwortlichen Sanitätsdienst.
- Wetternotfallplan ausarbeiten: Definieren Sie klare Kriterien (z.B. Windstärke, Blitzentfernung), bei denen die Musik gestoppt und das Gelände ggf. evakuiert wird. Kommunikationswege festlegen.
- Technischen Ausfall antizipieren: Halten Sie ein minimales Backup-System (kleiner Generator, Ersatzkabel) bereit und listen Sie die Kontakte von technischen Notdiensten auf.
- Verantwortung anerkennen: Verinnerlichen Sie, dass Sie als Veranstalter auch bei erteilter Genehmigung die letztendliche Verantwortung tragen und stets prüfen müssen, ob mehr Sicherheit nötig ist.
- Kommunikationsplan erstellen: Legen Sie fest, wer im Krisenfall nach innen (Team) und nach außen (Gäste, Presse) kommuniziert, um Panik und Fehlinformationen zu vermeiden.
Häufige Fragen zu Toilettenplanung für Events
Müssen barrierefreie Toiletten vorgehalten werden?
Ja, bei öffentlichen Veranstaltungen sind barrierefreie Toiletten gesetzlich vorgeschrieben, mindestens 1 pro 10 reguläre Toiletten.
Wie oft müssen Toiletten während der Veranstaltung gereinigt werden?
Bei mehrtägigen Festivals mindestens 2x täglich, bei eintägigen Events mindestens 1x zur Halbzeit.
Sind Komposttoiletten genehmigungsfähig?
Ja, Anbieter wie ‚Goldeimer‘ sind in Deutschland zertifiziert und werden von Umweltämtern positiv bewertet.